In Artikel 18 der Gemeindeordnung für den Freistaat Bayern ist die Pflicht eines Bürgermeisters verankert, „mindestens einmal jährlich eine Bürgerversammlung zur Erörterung gemeindlicher Angelegenheiten einzuberufen“. Darin heißt es weiterhin, „dass in größeren Gemeinden, Bürgerversammlungen auf Teile des Gemeindegebiets beschränkt werden sollen“.
Dieser gesetzlichen Aufgabe, aber mehr noch der Gelegenheit, den Bürgern Informationen zu Angelegenheiten der Gemeinde aus erster Hand zu geben, kommt der Fraunberger Bürgermeister traditionsgemäß im Monat März nach. Mit einer Besucherzahl von insgesamt 235 (57 Riding, Gasthaus Lohrmann / 91 Grucking, Gasthaus Rauch, / 87 Maria Thalheim, Gasthaus Stulberger) konnte man mehr als zufrieden sein. Dies ergibt eine Gesamtteilnehmerquote von etwa 7%, und bringt Fraunberg im Vergleich zu anderen Kommunen auf einen der vordersten Plätze, bezüglich so bekundeten Interesses unserer Bürgerinnen und Bürger am Gemeindegeschehen. Eine weitere gute Tradition ist es, bei dieser Gelegenheit, verdiente Gemeindebürger hervorzuheben. Erinnert wurde in diesem Sinne an Alle bereits während vergangener Gemeinderatsitzungen ausgezeichneten Schülerinnen und Schüler verschiedener Schultypen, sowie an Berufsabsolventen, welche herausragenden Noten und Abschlüsse erreichen konnten. Weiterhin war es Bürgermeister Wiesmaier eine große Freude, verdienten Feuerwehrkameraden für langjährigen freiwilligen Dienst mit dem Gemeindeteller aus Zinn, Dank auszusprechen zu dürfen. Für 25jährigen „beispielhaften Einsatz“ wurden von der Freiwilligen Feuerwehr Fraunberg, Bartholomäus Pfanzelt, Walter Eschbaumer und Robert Lechner, sowie für 40 Jahre „unermüdlichen Dienst am Nächsten“, Willi Auer von der Freiwilligen Feuerwehr Maria Thalheim, geehrt.
Vor dem Einstieg in Zahlen und Fakten wollte Bürgermeister Wiesmaier der katastrophalen Lage in Japan aber auch in Libyen mit einer Schweigeminute gedenken. Diesem persönlichen Anliegen unseres Gemeindeoberhauptes, folgte die Versammlung bereitwillig und drückte so ihr Mitgefühl gegenüber diesen leidgeprüften Menschen aus.

20-Jahre-ff willi-auer-40-Jahre-ff
v.l. Bartholomäus Pfanzelt, Robert Lechner,
Walter Eschbaumer und BGM Hans Wiesmaier
(20 Jahre aktiver Dienst Freiwillige
Feuerwehr Fraunberg )
Willi Auer und BGM Hans Wiesmaier
(40 Jahre aktiver Dienst
Freiwillige Feuerwehr Maria Thalheim )


Die Zusammensetzung des Gemeindehaushalts in Form von Diagrammen darzustellen, bietet die Möglichkeit ein kompliziertes Zahlenwerk anschaulich zu gestalten. Ein wichtiger Eckpunkt war dabei die Entwicklung des Schuldenstandes, der seit einigen Jahren abnehmend ist und mit 2,1 Mio. für das Jahr 2010 eine pro Kopfverschuldung von 605.- Euro und Bürger ergibt. Die darin enthaltenen Schulden für Kostenrechnende Einrichtungen (Kanal und Wasser) herausgerechnet, ergäben einen Schuldenstand von 573,5 Tsd. Euro (165.- pro Bürger) und machen deutlich, dass sich die Gemeinde Fraunberg in einer diesbezüglich erträglichen Situation befindet.

entwicklung-des-schuldenstands

Entwicklung des Schuldenstandes der Gemeinde Fraunberg seit 2003 (Gesamtschulden / Kostenrechnende Einrichtungen / Übriger Haushalt)

Die größten Posten auf dem Einnahmebereich des Verwaltungshaushalts 2010 (Einzelplan 9) waren der Einkommenssteueranteil (1,45 Mio.), die Gewerbesteuer (512 Tsd.), die Schlüsselzuweisungen (433 Tsd.) und die Grundsteuern A und B mit 282.000 Euro. Dem gegenüber stehen Ausgaben in Form der Kreisumlage (1,13 Mio.), der Gewerbesteuerumlage (117 Tsd.), Zinsen für Kredite (91,5 Tsd.) aber auch eine Zuführung zum Vermögenshaushalt von 763.000 Euro. Diese kann als äußerst positiv bewertet werden und verschafft dem finanziellen Verhandlungsspielraum der Gemeinde ausreichend Platz.

verwhaush-2010-einnahmen verwhaush-2010-ausgaben
Verwaltungshaushalt 2010 (Einzelplan 9)
(Einnahmen)
Verwaltungshaushalt 2010 (Einzelplan 9)
(Ausgaben)

Dies konnte man auch aus der Aufstellung der Investitionen von 2001 bis 2010 ersehen. Bei einer Gesamtinvestitionssumme von 14,7 Millionen Euro in diesem Zeitraum, veränderte sich der Schuldenstand nur unwesentlich. Hier waren die höchsten Summen in den Sparten „Kanal und Kläranlage“ mit 4,22 Mio. Euro, die „Dorferneuerung und Dorfentwicklung“ mit 2,1 Mio. Euro, die „Schulen“ mit 2,08 Mio. Euro und der „Straßenbau“ mit 4,22 Mio. Euro die finanzintensivsten Investitionsfelder.

investitionen-2001-bis-2010Investitionen 2001 bis 201

Die demographischen Faktoren einer Kommune sind unter anderem Beleg für deren Entwicklungspotenzial. Im Gegensatz zu vielen Gemeinden im Bundesgebiet weiß sich Fraunberg in der glücklichen Lage, Teil einer Region zu sein, in der wirtschaftlicher Wohlstand eine angepasste Entwicklung zulässt. Eine moderates Ansteigen der Einwohnerzahlen, eine gesunde Altersstruktur und vor allem eine positive Bilanz bei der Gegenüberstellung von Geburten und Sterbefällen, zeugen von gesunden Verhältnissen.

einwohnerentwicklungEntwicklung der Einwohnerzahlen

altersstruktur
Altersstruktur

geburten-und-sterbefaelle

Geburten und Sterbefälle

Mit 176 Zuzügen und 163 Wegzügen in 2010 spiegelt sich ein in etwa ausgeglichener Durchschnitt zu den vergangenen Jahren wider, der jedoch eine relativ aktive Fluktuation bezeugt.

zuzuege-wegzuege

Zuzüge / Wegzüge

buergermeisterEin weiteres großes Themenfeld in der Berichterstattung durch den Bürgermeister, nahm die derzeit unzufriedene Breitbandsituation ein. Hier konnte die baldige Versorgung des gesamten Gemeindebereiches Fraunberg mit schnellem Internet verkündet werden. Die Anschlüsse der Ortschaften Fraunberg und Reichenkirchen und deren nähere Umgebung an ein kabelgebundenes Netz, sowie die Abdeckung von Maria Thalheim mit den umliegenden Ortschaften über eine funktechnische Lösung sind bereits in Angriff genommen und werden noch in diesem Jahr zu einem befriedigenden Abschluss führen.
Im Rahmen der Gemeindeentwicklung sind derzeit mehrere „Projekte“ zu bearbeiten.
Die Baustelle in Grucking soll noch im ersten Halbjahr 2011 abgeschlossen werden. Wiesmaier konnte berichten, dass auch Reichenkirchen und Fraunberg in den Fördertopf des Amtes für Ländliche Entwicklung mit aufgenommen sind. In Reichenkirchen werden noch in diesem Jahr die Parkplätze an der Lohkirchner Straße fertig gestellt. Weiterhin wird im Frühjahr ein Projekttag organisiert, bei dem unter Einbindung der Bürgerschaft die Situation „Weg von der Schule zum Sportplatz“ und die „Dorfmitte“ erörtert werden sollen. Auch in Fraunberg wird an den Themengebieten wie „Nahversorgung“, „Ortsmitte“ oder „Rathausbau“ weitergearbeitet. Hier wurden mit Unterstützung durch das Amt für Ländliche Entwicklung bereits Grundstücke für derartige Planungen erworben.
Die Verkehrssituation in der Gemeinde wird, wie anderorts auch, durch ein drastisch ansteigendes Fahrzeugaufkommen geprägt. In den Ausführungen des Bürgermeisters hierzu waren der Radwegbau von Reichenkirchen nach Tittenkofen, der aus seiner Sicht im nächsten Jahr in Angriff genommen wird (Straßenbauamt) und die Nordumfahrung Erding die vordringendsten Felder, welche auch von anwesenden Bürgern mit diesbezüglichen Fragen thematisiert wurden.
Bürgermeister Wiesmaier erinnerte daran, dass man sich in der Gemeinde Fraunberg, nicht erst seit der Katastrophe in Japan, ein „Energiekonzept“ auferlegt hat. Hierbei soll in Zusammenarbeit mit Nachbargemeinden ein Weg erarbeitet werden, auf dem die sinnvolle Nutzung heimischer Energie (Biogasanlagen, Abwärme, alternative Energieträger …) vorangetrieben wird.
Einen weiteren Punkt in seiner Berichterstattung widmete er der Situation an den Hauptschulen. Für 2700 Hauptschüler im Landkreis Erding in 12 Hauptschulen, welche mittlerweile zu Mittelschulen erhoben wurden und sich im Verbund gegenseitig unterstützen, bietet sich zukünftig eine Anschlussgarantie in eine nächsthöhere Schule. Eine damit einhergehende notwendige Aufwertung des Hauptschulimages ist ein weiterer Vorteil für unsere Schüler. In der Versammlung in Riding referierte der Wartenberger Schulleiter Adi Geier zu diesem Thema und berichtete von dem hierzu geschaffenen Schulverband aus Wartenberg, Taufkirchen und Velden. Er bedankte sich bei Bürgermeister Hans Wiesmaier, der in seiner Eigenschaft als Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetages für den Landkreis Erding die Verhandlungen dazu leitete und zu einem guten Ergebnis brachte.


Besonders im Thalheimer Bereich interessierte man sich für den Stand der Dinge um das Bauvorhaben „Eier Braun“. Wiesmaier berichtete vom kürzlich erfolgten Ortstermin durch den Bauausschuss an der Baustelle. Anlass war ein nachgereichter Texturplan, welcher der Problemlage (Hangkante, Abstandsflächen, Löschteich …) Rechnung tragen sollte. Nach Meinung des Gemeinderats der Gemeinde Fraunberg sind jedoch keineswegs alle Probleme gelöst und waren der Grund, das Bauvorhaben erneut negativ zu bescheiden.

landratAm 23. März in Maria Thalheim war auch Landrat Martin Bayerstorfer zugegen. Ihm war es ein Anliegen, auf die neu entstandenen Mittelschulen hinzuweisen. Diese böten eine zusätzliche Entwicklungsmöglichkeit für die auf den Hauptschulen verbliebenen Kinder (ca. 30%). Das negative Image dieses Schultyps relativiere sich
außerdem, wenn man sich vor Augen führt, dass es von 175 Eingangsschülern am Gymnasium (Durchschnittswerte) nur ca. 50% bis zum Abschluss in der 13. (zukünftig 12.) Klasse schaffen. Er vergaß es nicht Hans Wiesmaier zu danken, dem das Kunststück gelang, allen Bürgermeistern des Landkreises die Mittelschule zum Anliegen zu machen und sie in dieser Hinsicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen. „Die Schulverbünde zur Mittelschule bieten eine zusätzliche Chance für unsere Schülerinnen und Schüler“, stellte er zufrieden fest.
Ein großer Posten auf der Seite der Ausgaben im Landkreishaushalt mit ca. 30% (115 – 120 Millionen Euro) sei die Jugendhilfe und die Sozialhilfe. „Die Veränderungen in der Gesellschaft seien die Ursachen dafür“, resümierte er und gab zu bedenken, dass diese langfristig und in diesem Maße von dieser nicht zu schultern seien. Ein weiterer Themenschwerpunkt seiner Ausführungen betraf das Erschließungsvorhaben zur Nordumfahrung Erding. „Die Gemeindeverbindungsstraßen sind bei uns teilweise so belastet, wie andernorts Bundesstraßen“. Die favorisierte Variante „Südkorridor“ nähme ab dem ersten Tag etwa 13300 Fahrzeuge auf und würde für unsere Region spürbare Entlastung schaffen.

Gasthaus Lohrmann Riding 18. März 2011 Gasthaus Lohrmann Riding


grucking 22. März 2011 Gasthaus Rauch Grucking

thalheim 23. März 2011Gasthaus Stulberger Maria Thalheim

Eine weitere Festlegung im Artikel 18 der Gemeindeordnung besagt, dass „Gemeindebürger das Wort erhalten können“. Davon wurde an allen drei Veranstaltungsorten reger Gebrauch gemacht. In durchwegs sachlichen Diskussionen wurden Mängel aber auch mögliche Verbesserungen erörtert, die in den jeweiligen Versammlungsorten auch dem betreffenden Gemeindegebiet zugeordnet waren.
In der Gemeindeordnung ist weiterhin bestimmt, dass „Empfehlungen der Bürgerversammlungen innerhalb einer Frist von drei Monaten vom Gemeinderat behandelt werden müssen“. Dieser gesetzlichen Vorgabe wird der Gemeinderat voraussichtlich schon in der nächsten Sitzung am 12. April nachkommen. Unter dem Tagesordnungspunkt, „Aussprache und evtl. Beschlussfassung zu den Anliegen und Wortmeldungen in den Bürgerversammlungen“ werden entsprechende Maßnahmen im Sinne unserer Bürger eingeleitet.
R.H.