- Bürgerkommune Fraunberg -

15.11.2011

Als eine der mittlerweile über 50 Mitgliedsgemeinden im Netzwerk Nachhaltige Bürgerkommune Bayern (http://www.nachhaltige-buergerkommune.de ) engagierten Gemeinden, machte sich eine Fraunberger Abordnung auf, um im Historischen Rathaussaal in Straubing an dessen Jahresversammlung teilzunehmen. Themenschwerpunkt der Veranstaltung war der „Energiewandel“ und so erhoffte sich die Delegation, bestehend aus 1. Bürgermeister Hans Wiesmaier, 3. Bürgermeister Heinrich Haider sowie den Gemeinderäten Hans Rasthofer und Raphael Hackl, wertvolle Erkenntnisse zu gewinnen. Nachdem der Gemeinderat Fraunberg bereits in seiner 44. Sitzung den einstimmigen Beschluss fasste, einen Energienutzungsplan aufzustellen, stand man der äußerst aktuellen Thematik hochinteressiert gegenüber.
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Bereits die Grußworte von Dr. Bernd Witzmann, Ministerialdirigent im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit, der das Netzwerk Nachhaltige Bürgerkommune als „Flaggschiff des Umweltministeriums“ bezeichnete, sowie von Dr. Thomas Röbke vom Landesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement Bayern, waren darüber hinaus mit fachlichem Inhalt gespickt.
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Dr. Witzmann machte deutlich, dass die Energiewende ein gesamtgesellschaftlicher Auftrag sei, in dem die Landkreise und Kommunen im besonderen Maße gefordert wären. „Die Energiewende ist eine Herausforderung, bietet aber auch Chancen“, meinte Dr. Witzmann und verwies nur auf einen zu erwartenden Anstieg der Beschäftigten im Bereich erneuerbare Energien von derzeit 370 000 auf 1 400 000 bis zum Jahre 2021. Der nach dem beschlossenen Atomausstieg erforderliche Anstieg der erneuerbaren Energien auf ca. 50%, soll möglichst früh in den nächsten Jahren erreicht werden. Ein wichtiges Standbein wird dabei der Ausbau der Windenergie sein, deren Anteil mit Unterstützung der „Windstrategie Bayern“ auf etwa 10% anwachsen wird. Mit 2% der Bayerischen Landesfläche, welche diesem Zweck gewidmet werden soll, will man das gesteckte Ziel erreichen. Weitere Aufgabe der ländlichen Kommunen wird es sein, beim Ausbau der Infrastruktur mitzuwirken, die in Form von Leitungen, Energiespeichern etc. angepasst werden muss. Mit der Aussage, „Nachhaltigkeit, bedeutet Verantwortung zu übernehmen, für sich und in besonderem Maße auch für andere“, stimmte Dr. Witzmann die Netzwerksmitglieder auf die Anforderungen der nahen Zukunft ein.

Dr. Röbke erinnerte in seiner Ansprache daran, dass „Bürgerkommune“ darüber hinaus auch noch mit weiteren Themen behaftet ist.
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Bürgerbeteiligung, Demographischer Wandel oder nachhaltiges Flächenmanagement sind nur einige Bereiche, in denen Menschen gefordert sind, die von Innenminister Joachim Herrmann einmal als „Gestaltungsbürger“ bezeichnet wurden.

Über das Öko-Energie-Institut Bayern mit seinen Schwerpunkten und Aktivitäten wusste Dr. Christian Mikulla vom Bayerischen Landesamt für Umwelt zu berichten.
Er stellte das Institut als „Denkfabrik“ am Landesamt für Umwelt dar, welches u.a. regionale, innovative und praxisorientierte Strategien mit regionalen Akteuren entwickle. Der Energieatlas Bayern, mit Karte und erklärendem Text sei ein solches Beispiel, welcher für alle Zielgruppen ein angepasstes Angebot biete. Er steht unter http://www.energieatlas.bayern.de/  jedermann zur Verfügung und gibt gebietsrelevante Informationen zu Förderung, Windernte, Vogelschutz- und Wasserschutzgebiete aber auch zu detaillierten Angaben wie z.B. der Windausbeute in verschiedenen Höhenschichten. Auch Dr. Mikulla gab zu bedenken, dass in Bayern bis 2021 eine Verzehnfachung des Anteils an Windenergie sattfinden werde und stellte den Energieatlas Bayern den Kommunen als Hilfestellung anheim.

Stefan Graf, Leitender Verwaltungsdirektor vom Bayerischen Gemeindetag, stellte die Schlüsselrolle von Gemeinden und Städten hinsichtlich Energiewende heraus.
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Gemeinden werden sich sowohl als „Türöffner aber auch als Schlüsselgewaltige“ zu betätigen haben. Allein bezüglich Planungshoheit wird Bürgermeister und Gemeinderat die Rolle „Akzeptanz zu erzeugen“ zufallen, sie müssen aber auch dafür zu sorgen, dass „einhergehende Wertschöpfung vor Ort gehalten wird“. In einem persönlichen Gespräch mit Bürgermeister Wiesmaier unterstrich Graf seine These, „Energieautarkie, wie sie die Gemeinde Fraunberg in Punkto Strom bereits erreicht hat, wird zukünftig zu wenig sein“. Die Gemeinde Fraunberg, die derzeit über Fotovoltaik und Biogasanlagen ein jährliches Produktionsvolumen von 8 770 000 kW/h erreicht und damit 3,42% über Bedarf generiert, wird sich darauf einstellen müssen, auch auf den Bedarf von Städten einzugehen. „Gemeinden müssen im Rahmen des Energiewandels zukünftig auch Energieproduzenten für die Städte werden“ meinte Graf. Hierbei gilt es aber noch viele Fragen zu klären die da lauten: Was passiert mit den Gewinnen vor Ort (Gewerbesteuer, wenn der Firmensitz woanders ist, Standortgemeinden 70%, Betreibergemeinde 30%), notwendige Leitungsverlegungen auf Gemeindegrund, Beteiligung der Kommune an der Einspeisevergütung, Kommune tritt selbst als Energieerzeuger auf oder die sinnvolle Steuerung bei der Auswahl der Standorte, werden unweigerlich den Entscheidungsbereich der Gremien ausweiten.

Auch die Frage der Mobilität in Energieregionen ist ein Zukunftsthema für Kommunen. Prof. Dr. Wolfgang Dorner vom Technologiecampus Freyung an der Hochschule Deggendorf wusste über acht Modellregionen innerhalb der BRD zu berichten, in denen Elektrofahrzeuge hinsichtlich Reichweite, erforderlicher Energieinfrastruktur, Park- und Lademöglichkeiten bis zu städtebaulichen Planungen rund ums Elektrofahrzeug getestet werden.
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„Bereits mit dem derzeitigen Technologiestand könnten überwiegend Elektrofahrzeuge benutzt werden, wenn man bedenkt, dass nur 4,3% der Fahrten eine Wegstrecke von mehr als 50 km zu Grunde liegt“, war seine Folgerung. Der Technologiecampus Freyung unterstützt und begleitet das E-WALD Projekt in einer Modellregion im Bayerischen Wald. „Hier wird auf einer Fläche von mehr als 7.000 km² eine innovative Struktur von Ladesäulen sowie Steuerungs- und Kommunikationskonzepten installieren, die belegt, dass Elektromobilität im ländlichen Raum, also in Räumen, die auf Grund der vorhandenen Infrastruktur zwingend auf den Einsatz von Kraftfahrzeugen angewiesen sind, realisierbar ist“  (siehe http://www.e-wald.eu/ ). Bereits jetzt steht Prof. Dr. Dorner mit seinem Team Städten und Gemeinde für Fragestellungen und Ansatzpunkte hinsichtlich Elektromobilität, einzurichtender Park- und Ladeinfrastruktur, nötiger Energieinfrastruktur, zukünftiger Planungen rund ums Elektroauto aber auch als Berater für diesbezügliche Wirtschaftsförderungen zur Verfügung.

Zum Thema „Praktische Umsetzungen kommunaler Energieleitplanungen“ referierte Prof. Dr. Markus Brautsch, von der Hochschule Amberg-Weiden.
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Hier weckte er bei der Delegation der Gemeinde Fraunberg  erhöhte Aufmerksamkeit, die ja bereits, wie schon angeführt, einen Prozess zum Erstellen eines Energienutzungsplanes eingeleitet hat. Der Weg dorthin sollte seinen Ausführungen nach in einzelnen Phasen gegangen werden. Am Anfang (Phase A) sah Prof. Dr. Brautsch eine Situationsanalyse, welche nach privaten Haushalten, Industrie und Gewerbe sowie Landwirtschaftlichen Betrieben aufgesplittet wird und deren Energiebedarf an Strom, Gas, Heizöl oder sonstiger Energieträger aufzeigt.  Als Phase B wurde eine Potentialbetrachtung zur Energieeffizienzsteigerung vorgeschlagen, bei der Energiesparpotentiale ermittelt werden sollen (Wärmedämmung, sparsamere Beleuchtung …). Weiterhin (Phase C) gilt es dann, das lokale Angebotspotential an erneuerbaren Energien zu eruieren, die in Form von Biomasse, Wind, Photovoltaik, Solarthermie, Wasserkraft oder Geothermie zur Verfügung stehen. In der Phase D geht es darum, die wirtschaftliche Integration dieser erneuerbaren Energien zu durchleuchten. Die Erstellung einer Investitionskostenprognose oder Netzverträglichkeitsprüfungen werden ebenso wenig umgänglich sein, wie die Prüfung der Errichtung von Wärmeverbundnetzen. Auf die Frage von Bürgermeister Wiesmaier,
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welche Möglichkeiten er bei der Nutzung der Abwärme bestehender Biogasanlagen sehe antwortete Brautsch: „Man findet nicht immer wirtschaftliche Wege“. Die höhere Förderung des Biogasproduzenten sei nicht zwingend ausreichend, die Abwärme zu den Abnehmern zu transportieren und einen wirtschaftlichen Erfolg zu erzielen. Eine Verlagerung des Blockheizkraftwerkes zu den Wärmeabnehmern könnte hierbei vorteilhaft sein. Als letzten Schritt (Phase E) zu einem Energienutzungsplanes gab Brautsch die Erstellung eines Maßnahmen- und Projektplanes vor, innerhalb dessen ein Entwicklungszenario „Wärme“ und ein Entwicklungszenario „Strom“ ersichtlich ist.

Mit dieser gelungenen Veranstaltung präsentierte sich das Netzwerk Nachhaltige Bürgerkommune ein weiteres Mal als wichtiger Ideengeber aber auch als unverzichtbarer Informationspool für die Mitgliedsgemeinden zu aktuellen Themen.   
Mit der gesetzlich eingeleiteten Energiewende und der Vorgabe, bis 2021, 50% des in Bayern verbrauchten Stromes aus erneuerbaren Energien auf bayerischem Boden zu erzeugen, stehen die bayerischen Kommunen vor gewaltigen Herausforderungen. Verantwortliches, zugleich aber auch in die Zukunft gewandtes Agieren ist unablässig und gleichzeitig darüber entscheidend, welche Vorteile man als Gemeinde Fraunberg aus diesem zwangsläufigem Prozess ziehen und welche Nachteile man umgehen kann.
R.H.