- Bürgerkommune Fraunberg -

17.02.2017

Harham – Die meisten denken an Stromerzeugung, wenn von Biogas die Rede ist. Dabei wird ein wertvolles Abfallprodukt oft übersehen. Die beim Gärprozess anfallende Wärme ist erheblich und kann klimafreundlich genutzt werden.
Wie einer Mitteilung des Fachverband Biogas e.V. zu entnehmen ist, beziehen die Bewohner des Ortsteils Harham seit 2006 Wärme aus der nahegelegenen Biogasanlage von Martin Hintermaier. Die Häuser werden dort zu 50 Prozent mit umwelt- und klimafreundlicher Heizenergie aus Biogas versorgt. Damit wird eine beachtliche Menge an Heizöl eingespart und somit weniger CO2 ausgestoßen.
Um diese ökologisch sinnvolle Handlungsweise herauszustellen und den Einsatz von Biogaswärme sichtbar zu machen, wurde als Anerkennung für die Nutzung nachhaltig erzeugter Wärme an alle Abnehmer für ihr Haus ein Biogaswärme-Schild mit der Aufschrift „Wir heizen mit Biogaswärme“ übergeben. Aufgewertet wurde die Veranstaltung durch die Anwesenheit der Bayerischen Staatsministerin für Umwelt und Verbraucherschutz, Ulrike Scharf.

Vor der Übergabe der Wärmeschilder an die Biogaswärmeabnehmer, begrüßte Dr. Stefan Rauh, Geschäftsführer des Fachverband Biogas e.V. die Gäste.

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Er stellte dabei deutlich heraus, welchen wichtigen Beitrag diese Anlagen am aktiven Klimaschutz leisten. Auf die Anlage in Harham bezogen, ergäbe sich eine jährliche Einsparung von ca. 2000 Tonnen klimaschädlichem CO2. Dies wäre eine äußerst positive Bilanz, wenn man der Tatsache Rechnung trägt, das jeder Bürger Bayerns übers Jahr einen „Fußabdruck“ von ca. 6 Tonnen (Bundesrepublik: 9 Tonnen, USA: 17 Tonnen) hinterlässt.

Umweltministerin Ulrike Scharf machte klar, welch immense Bedeutung den Biogasanlagen bei der großen Herausforderung „Ausstieg aus der Kernkraft“ zukäme. Energieintensive Betriebe würden nach kompletter Abschaltung sicher Probleme haben, wenn nicht Biogasanlagen im Gegensatz zu Sonne und Wind dazu in der Lage wären, Leistung auf Knopfdruck hochzufahren. Umso mehr sah sie im erfolgreichen Einsatz ihrer Partei für den weiteren Bestand der Ökostromförderung gerade auf diesem Gebiet, eine absolute Notwendigkeit. „Biogas ist wieder dabei“, sagte Scharf und zeigte sich zufrieden, dass Biogasanlagen auch nach 20-jähriger Betriebsdauer weiter mit Ökostromförderung rechnen können. Die Umweltministerin betonte, dass sich in Bayern das Klima regional unterschiedlich verändert. Der „Vorzeigebetrieb“ der Familie Hintermaier, eine von etwa 600 Biogasanlagen in Oberbayern, trage damit in vorbildlicher Weise zum Klimaschutz bei.

Biogasanlagenbetreiber Martin Hintermaier machte deutlich, dass neben seinem Anwesen noch weitere drei Häuser in Harham wärmetechnisch angeschlossen sind. „50 % der Häuser in Harham werden mit ca. 50 % der hier anfallenden Wärmeenergie beheizt“, führte er stolz aus. Seine Anlage wurde kürzlich auf eine „Höchstbemessungsleistung“ von 930 kW ausgebaut und kann so noch besser auf Abruf arbeiten und auftretende „Stromlücken“ füllen. Er erläuterte den zahlreich anwesenden Gäste aus Politik und Wirtschaft, die sich ein Bild vor Ort machen wollten, dass die hier entstandene Energie zu etwa 35 % aus Gülle, 30 % Maissilage sowie 35 % Grassilage und ähnlichem gewonnen werde. Das Einbringen der Rohstoffe bewege sich in einem Radius von maximal 3 Kilometern, so Hintermaier.

Schließlich wurden die Wärmeschilder an die Wärmeabnehmer der Biogasanlage Hintermaier übergeben. Helene Barth, Fachreferentin im Fachverband Biogas und Familie Hintermaier überreichten sie an die Abnehmer.

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Fotos: R.H.
v.l.n.r. Lorenz Angermeier (Wärmeabnehmer), Dr. Stefan Rauh, Geschäftsführer des Fachverband Biogas e.V., Michaela Obermaier mit Franziska (Wärmeabnehmer), Staatsministerin Ulrike Scharf, Martin und Bärbel Hintermaier (Biogasanlagenbetreiber und Wärmeabnehmer), Josef Mayer (Wärmeabnehmer)

Im Anschluss gab’s noch eine Führung für die Staatsministerin und weitere Interessierte durch die imposante und technisch aufwändige Anlage, die schon seit 2005 neben regenerativem und speicherbarem Strom auch noch kostengünstige Wärme liefert.
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