- Bürgerkommune Fraunberg -

25 Oktober 2018

Fraunberg – Direkt an den Ort des Geschehens begaben sich die Schülerinnen und Schüler der Klasse 4b aus Maria Thalheim (06. November Klasse 4a aus Reichenkirchen), um sich im Rahmen des Unterrichtsfach HSU (Heimat- und Sachunterricht), über die vielfältigen Aufgaben einer Gemeindeverwaltung zu informieren. Mit dabei war Lehrerin Simone Struve, deren Schützlinge sich gut vorbereitet und äußerst interessiert präsentierten.

18 10 schulklasse besucht gemeinde 1 590

Empfangen wurden sie von Bürgermeister Hans Wiesmaier, der ihnen schon zu Anfang versprach, den Unterrichtstag mit einer „Schülergemeinderatssitzung“ ausklingen zu lassen. Dies fanden die 18 Schülerinnen und Schüler äußerst „cool“ und einer fügte gleich darauf begeistert an: „Ich werd auch einmal Bürgermeister“.

Erster Anlaufpunkt waren die Bereiche Standesamt, Rentenamt, Einwohnermeldeamt und Passamt. Hier stand Frau Angermaier den jungen Gemeindebürgern Rede und Antwort. Aufgrund von verschärften Regelungen im Datenschutz, spielte sie verschiedene Suchszenarien im digitalen Melderegister nur an ihrem eigenen Eintrag durch. Suche nach Personen die in der Gemeinde gemeldet sind, nach Namen, Wohnort, Geburtsdatum etc. sind hier jederzeit möglich. Die Suche nach der Lehrerin Frau Struve brachte keinen Treffer. „Weil die in Erding wohnt“, hatte gleich einer der Schüler als richtige Erklärung parat.

18 10 schulklasse besucht gemeinde 2 590

Bürgermeister Wiesmaier schilderte in diesem Zusammenhang, welche neuen Voraussetzungen hinsichtlich Datenschutzes beachtet werden müssen. „Alle Einwohner sind hier digital gespeichert und wir haben somit eine riesige Verantwortung“, erklärte er den aufgeweckten Beobachtern.
Den Unterschied im Standesamtsbereich zu früher machte Frau Angermaier mit einem Standesamtsbuch der ehemaligen Gemeinde Thalheim aus dem Jahre 1876 deutlich. Hier waren Einträge in altdeutscher Schrift zu sehen, die von den Kindern nicht entziffert werden konnten.

Schließlich kam der Bereich „Gewerbeamt, Steuern und Abgaben“ an die Reihe. Frau Feuchtgruber erklärte den Unterschied zwischen Grundsteuer A und B und die Bedeutung des Hebesatzes, der in der Gemeinde Fraunberg derzeit bei 350 % liegt. „Wer am 1. Januar Eigentümer eines Grundstückes oder Hauses ist, der muss für das ganze Jahr die Grundsteuer zahlen“, erläuterte sie.

18 10 schulklasse besucht gemeinde 3 590

In Feuchtgrubers Aufgabengebiet fallen auch die Bereiche Wasser- und Abwassergebühren. Breites Erstaunen ergab sich bei der Aussage der Fachfrau, dass 1.000 Liter Wasser aus der Wasserversorgung Maria Thalheim nur 0,99 € kosten würden, nachdem die vorhergegangenen Schätzungen der jungen Wasserkunden bei bis zu 500 € lagen.

Herr Haberl stellte sich als Kämmerer der Gemeinde Fraunberg vor. „Der schaugt wega de Geldeinnahmen und Ausgaben“, meinte eine Schülerin dazu ganz richtig.

18 10 schulklasse besucht gemeinde 4 590

Herr Haberl erläuterte den Begriff „Kämmerer“ und erklärte, dass er etwas mit der Schatzkammer zu tun hätte. „Bei uns geht’s um die Schätze der Gemeinde Fraunberg“, versuchte er auf den Haushalt und den Haushaltsplan überzuleiten. „Da sind die Einnahmen und die Ausgaben der Gemeinde drin“, wusste wiederum ein Schüler beizusteuern, der allerdings bei der Höhe des jährlichen Gemeindehaushalts weit daneben lag. Als man sich dann über die verschiedenen Ausgabe- und Einnahmestellen der Summe von 9 Millionen € näherte, gab es wiederum großes Erstaunen.

Die Gemeindekasse hat Herr Hofer unter sich. „Ich muss dafür sorgen, dass alles bezahlt wird“, umriss er seine Aufgabe und erläuterte an dem für die Kinder naheliegenden Beispiel „Schulbuskosten“, wie hier die Kasse zu verfahren hat.

18 10 schulklasse besucht gemeinde 5 590

87.000 € sind im letzten Jahr hier angefallen, gab Hofer zu verstehen und erntete ein breites „Boooaaahh!“ von den Schülerinnen und Schülern. Er zeigte ihnen die Ordner mit den Einnahme- und Ausgabebelegen und erläuterte: „Hier muss alles seine Richtigkeit haben“, und verwies auf die jährlichen internen und externen Kassenprüfungen.

Verwaltungsleiter Friedhelm Eugel schilderte sein hauptsächliches Betätigungsfeld. 25 Sitzungen im Jahr (Gemeinderat, Finanzausschuss …) müssen vorbereitet und nachbereitet werden. Des Weiteren laufen alle Bausachen über seinen Schreibtisch.

18 10 schulklasse besucht gemeinde 6 590

Anhand des Bebauungsplanes an der Bachhamer Straße zeigte er auf, welche Maßnahmen hier umgesetzt werden müssen. Straßentrassen, Bauparzellen, Parkplätze und Regenrückhaltebecken waren den jungen Architekten gleich geläufig. Zu letzterem meinte Philipp: „Kann man darin auch baden?“.
Der Plan der Schule in Maria Thalheim diente dazu aufzuzeigen, aus welchen Bestandteilen ein solcher mindestens zu bestehen hat. Lageplan, Grundrissplan und Ansichtsplan sind hier die wesentlichen Komponenten. Erst wenn er vollständig ist kann über ihn im Gemeinderat entschieden werden und er dann an das Landratsamt zur endgültigen Entscheidungsfindung weitergereicht werden.

Schließlich begab sich Bürgermeister Wiesmaier wie versprochen mit den jungen „Gemeinderäten/innen“ in den Sitzungssaal zur sehnlichst erwarteten „Schülergemeinderatssitzung“.

18 10 schulklasse besucht gemeinde 7 590

Jeder und Jede hatten eine persönlich Frage an ihn persönlich vorbereitet, welche dieser auch geduldig zu beantworten versuchte.
„Was gefällt Ihnen daran, Bürgermeister zu sein“, wollte Viktoria vom Amtsinhaber wissen oder „Wie viele Leute arbeiten in der Gemeinde“, kam von Leni die Frage.
Als eine sehr entscheidende Frage stellte sich dann die von Sofya heraus. „Was ist ihre Lieblingsfarbe?“. Nachdem Bürgermeister Wiesmaier die Farbe „Blau“ als seine Lieblingsfarbe nannte, kam prompt von Hannes die Nagelprobe: „Bist du dann a Sechzga oder a Bayern-Fan?“.
Auf die gegebene Antwort des Gemeindechefs soll hier jedoch nicht eingegangen werden. Hauptaugenmerk verdient die Tatsache, dass unsere jungen Gemeindebürger und Gemeindebürgerinnen wichtige Inhalte ihres Lernstoffes in der Praxis nachvollziehen konnten und ihnen in Sachen kommunale Verwaltung und funktionierende Demokratie ein sicher beeindruckendes Beispiel mit auf den Weg gegeben wurde.

18 10 schulklasse besucht gemeinde 8 590
Bürgermeister Hans Wiesmaier zeigt den Schülerinnen und Schülern das Goldene Buch der Gemeinde Fraunberg
Text und Fotos: R.H.